Wärmedämmung – alles gelogen?

Kaum ein Hype zum Thema Bauen/Sanieren war in den vergangenen Jahren lauter als der ums Thema Wärmedämmung der Fassade. An die Außenwände vor allem jedes Altbaus gehören Dämmplatten – das war das Glaubensbekenntnis vieler Energiespar-Gurus. Selten wurde ehrlich durchgerechnet, ob und ab wann sich die immensen Kosten einer solchen Dämmtechnik rentieren und ob nicht gar von dem „Ganzkörperkondom fürs Haus“ gesundheitliche Gefahren ausgehen könnten. – Lesen Sie hier mehr!

Die sogenannte „energetische Sanierung“ hat jetzt mit einem heftigen Schlag einen Großteil ihres guten Rufs eingebüßt. Denn niemand weniger als das Forschungsinstitut Prognos hat kürzlich im Auftrag der staatlichen Förderbank KfW eine Studie über das Kosten-/Nutzenverhältnis der Fassadendämmung erstellt – mit einem vernichtenden Ergebnis: Die Kosten überschreiten bei Weitem die Einsparungen. Mehr noch: Selbst die erhöhten Kosten für die Erstellung besonders energiesparender Wohnhäuser haben keine Chance, sich zu rechnen. Die Zusatzkosten lassen sich „nicht allein aus den eingesparten Energiekosten“ finanzieren, so die KfW.

Politisch unerwünscht
Das Ergebnis der Studie paßt keiner der politischen Parteien ins Konzept, ist doch das Einsparen von zum Heizen aufgewendeter Energie einer der Kernpunkte der Umweltpolitik. Die Reduzierung der CO²-Emission steht ganz oben auf der Agenda jeder sich umweltfreundlich gebenden Partei. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren die Grenzwerte der sogenannten „Energieeinsparverordnung“ (EnEV) immer niedriger angesetzt, immer stärkere Dämmungen für neu zu erstellende Wohnhäuser vorgeschrieben. Bei jeder Verschärfung der EnEV wurden die Dämmwerte für neue Ein- und Mehrfamilienhäuser um jeweils 30 Prozent angehoben. Das kostet Unsummen – ob diese Gelder sinnvoll verwendet werden, wurde nie untersucht. Die Ergebnisse der Prognos-Studie sind eine Premiere – und ein Desaster zugleich.

Verluste für Eigentümer, Mieter, Steuerzahler
Glaubt man der Studie, müssen bis 2050 für energetische Sanierungen Investitionen von über 837 Milliareden Euro vorgenommen werden. Energiekosten-Einsparungen wären demgegenüber jedoch nur in Höhe von etwa 370 Millarden Euro möglich – ein Verlust von mehr als 460 Milliarden, den die Eigentümer zu tragen hätten. Nutznießer sind ausschließlich die Hersteller von Dämmstoffen sowie Firmen, die sich mit Fassadendämmung beschäftigen. Leidtragende sind jedoch auch Mieter, denn Hauseigentümer müssen – um sinnvoll wirtschaften zu können – die steigenden Kosten an Mieter weitergeben. Und noch jemand ist betroffen: Wir alle als Steuerzahler. Stellt doch die KfW alleine in diesem Jahr etwa 1,8 Milliarden Euro an Fördergeldern und zinsvergünstigten Darlehen zu Verfügung – nur für energetische Sanierung. Eine Verschleuderung von Steuergeld, wie viele Experten konstatieren.

Dämmstoffe – giftig und nicht recylebar
Neben den erhöhten Kosten entsteht durch das „energetische Ganzkörperkondom“ fürs Haus noch ein weiteres Problem: Dämmstoffe halten nicht ewig. Die ersten Schäden zeigen sich bereits nach etwa 20 Jahren. Und was dann? Auf den Müll? Geht nicht, denn Dämmstoffe bestehen aus aufgeschäumtem Rohöl. Ein Recycling ist vielfach unmöglich. Müssen also zukünftig spezielle Deponien geschaffen werden für „verbrauchte“ Dämmstoffe? Aber dies ist nur eines der großen Probleme: Um ein Verschimmeln oder den Befall mit anderen Schädlingen zu verhindern, werden Dämmstoffe intensiv chemisch behandelt. Dringt an irgendeiner Stelle Wasser ein oder entstehen Wärmebrücken – etwa an den Befestigungselementen – so werden diese Chemikalien ausgewaschen und belasten das Grundwasser. Unter volkswirtschaftlichen wie auch unter Umweltaspekten sollte das Thema Fassadendämmung dringend neu überdacht werden. Vielleicht ist die gute alte Luftzirkulation konventionell gelüfteter Häuser ja doch besser.

KfW sieht Klärungsbedarf
Gar nicht begeistert von den Ergebnissen der Studie ist ausgerechnet der Auftraggeber – die KfW.  Einige Links zum Thema hier:

http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article114866146/Die-grosse-Luege-von-der-Waermedaemmung.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/waermedaemmung-kfw-weist-berichte-zur-prognos-studie-zurueck-a-892362.html
http://www.merkur-online.de/service/wohnen-leben/aktuelles/studie-waermedaemmung-rechnet-sich-nicht-zr-2828432.html