Neue Therapie bei Knie-Arthrose

Prof. Dr. Klaus M. Peters, Orthopäde und Chefarzt der Dr. Becker Rhein-Sieg Klinik in Nümbrecht

Prof. Dr. Klaus M. Peters

Viele Menschen stellen mit den Jahren fest, daß irgend etwas mit ihren Knien nicht mehr stimmt. Beim Aufstehen etwa stören Schmerzen, aber die vergehen rasch wieder. Später treten diese Beschwerden jedoch auch beim normalen Gehen auf und irgendwann bleiben sie. Wir sprachen mit dem renommierten Chefarzt der Orthopädie der Dr. Becker Rhein-Sieg Klinik in Nümbrecht, Prof. Dr. Klaus M. Peters, über Arthrose, die berüchtigte Schädigung des Gelenkknorpels und über “Polynukleotide”, eine neue innovative Option der Therapie.

Redaktion: Herr Professor, warum sind unsere Knie – und speziell die Knorpelschichten im Gelenk – so anfällig?

Prof. Peters: Das sind sie doch gar nicht. Bedenken Sie mal, was unsere Knie alles aushalten müssen. Und das können sie nur mit gesundem Gelenkknorpel. Knorpel, dieses faszinierende Gewebe, sitzt immer dort, wo das Aufeinanderreiben von Knochen vermieden werden muß. Knorpel ist tausendmal glatter als eine Eisfläche und kann dem unglaublichen Druck von hunderten Kilogramm pro Quadratzentimeter standhalten. Er dämpft perfekt Stöße beim Gehen, Laufen und Springen und vermindert die Reibung beim Beugen und Strecken der Kniegelenke. Aber natürlich hat selbst dieses hochwertige Gewebe seine Schwachstellen.

Redaktion: Zum Beispiel?

Prof. Peters: Es kann nur sehr schwer heilen, wenn es einmal durch Unfälle oder altersbedingte Abbauprozesse geschädigt wurde. Zudem nagt mit den Jahrzehnten der Zahn der Zeit an der Knorpelschicht. Die entstehenden Schäden sind Resultat eines langsamen, schleichenden Prozesses, in dessen Verlauf der Knorpel trocken und spröde wird und die Gelenkflüssigkeit, die “Gelenkschmiere” zwischen den Knorpelflächen, ihre dämpfende Funktion einbüßt. Dann stellen sich die ersten Zeichen einer beginnenden Arthrose ein.

Redaktion: Was sind das für Zeichen?

Prof. Peters: Der typische Gelenkschmerz. Er tritt meist morgens auf, kurz nach dem Aufstehen. Häufig verschlimmert Winterwetter die Arthrosebeschwerden. Im Sommer spüren die Patienten nichts. Doch dann, mit Nässe und Kälte, kommen die Schmerzen und die Gelenke lassen sich kaum noch belasten. Vielfach knacken die Gelenke auch – vor allem bei raumgreifenden Bewegungen. Meist verläuft der zu Grunde liegende Abbauprozeß im Gelenk schubartig. Beschwerden wie Schwellungen, Schmerzen, Hitzegefühl und schließlich Bewegungseinschränkungen bleiben zuerst nur für wenige Tage, maximal für Wochen und verschwinden danach wieder. Mit zunehmender Schwere der Knorpelschädigung aber verschlimmern und verlängern sich diese Schübe. Jetzt ist es höchste Zeit, einen Arzt aufzusuchen.

Redaktion: Kann der die Knorpelschicht reparieren?

Prof. Peters: Das ist sehr schwierig. Es gibt leider kein Patentrezept gegen Arthrose. Betroffene können jedoch schon im Vorfeld eine Menge zur Gesunderhaltung der Gelenke tun. Die wichtigste Maßnahme: Bewegen! Denn nur durch intensive, belastungsfreie Bewegung wird die Knorpelschicht im Gelenk ausreichend mit Nährstoffen über die Gelenkflüssigkeit versorgt. Außerdem fördert Bewegung den Muskelaufbau um das Gelenk zusätzlich zu stabilisieren. Als gut geeignet gelten Radfahren, sanftes Walken oder Wassergymnastik. Und dann natürlich: Gewicht reduzieren. Jedes zusätzliche Kilogramm belastet die Knie. Bei auftretenden Beschwerden sollte jedoch an erster Stelle immer der Arztbesuch stehen. Je nach Diagnosestellung wird der Arzt dann eine angemessene Therapie bestimmen.

Redaktion: Nun empfehlen viele Orthopäden, bei leichten bis mittelschweren schmerzhaften Gelenkerkrankungen Nähr- und Schutzstoffe direkt in das erkrankte Knie zu spritzen. Was halten Sie davon?

Prof. Peters: Das ist durchaus sinnvoll. Um eine spürbare Wirkung zu erzielen, steht zum einen die herkömmliche Hyaluronsäure zur Verfügung. Deren Einsatz bewirkt vor allem eines: Die Gelenkflüssigkeit verdickt sich wieder und kann ihre Schutz- und Dämpfungsaufgaben besser wahrnehmen. Allerdings wirkt die Hyaluronsäure nicht bei allen Patienten zufriedenstellend. Insbesondere hat sie allem Anschein nach keinen nachhaltig positiven Effekt auf den Knorpelstoffwechsel. Das war ja auch der Grund, warum intensiv nach Alternativen geforscht wurde.

Redaktion: Nun gibt es ja seit Kurzem die Möglichkeit, ein hochgereinigtes Gel aus Polynukleotiden, das von Orthopäden ins Gelenk injiziert wird. Wie sind Ihre Erfahrungen hierzu?

Prof. Peters: Solche Polynukleotide können aktuellen Studien zu Folge deutlich mehr leisten. Sie verbessern – soweit gleichen sie der Hyaluronsäure-Wirkung – die schmierenden und stoßdämpfenden Eigenschaften der Gelenkflüssigkeit. Darüber hinaus aber unterstützt eine Polynukleotid-Therapie zusätzlich die körpereigenen Mechanismen bei der Reparatur des Gelenkknorpels. In Studien an Knorpelkulturen zeigte sich zum Beispiel, daß Polynukleotide den Neuaufbau von Knorpelsubstanz fördern. Und eine solche Reparaturfunktion war ja genau das, wonach für eine nachhaltige Therapie gesucht wurde.

Redaktion: Wie häufig muß diese Therapie erfolgen?

Prof. Peters: Das Polynukleotid-Gel sollte drei bis sechs Mal in wöchentlichen Abständen in das erkrankte Gelenk eingebracht werden. Die ersten Erfolge zeigen sich sehr schnell. Durch die entzündungshemmenden Effekte dieser Gelenktherapie gehen Gelenkschwellungen rasch zurück und die damit verbundenen Bewegungseinschränkungen reduzieren sich. Vor allem aber werden die quälenden Schmerzen gelindert, Bewegungen werden wieder leichter und das Leben einfacher. Und was ganz entscheidend sein kann: Patienten können die Menge ihrer bisher notwendigen, meist nebenwirkungsbelasteten Schmerzmittel deutlich reduzieren. Wie eine Studie an 110 Patienten zeigt, läßt sich in der Regel die Schmerzmitteldosis schon nach einer Woche halbieren, nach Abschluß des Therapiezeitraums kamen viele Patienten sogar völlig ohne zusätzliche Schmerzmittel aus.

Redaktion: Herr Professor, vielen Dank für diese Informationen.