Warum Rheinland-Pfalz das (Wind)-Rad überdreht

Windräder, wohin man schaut auf den Höhenzügen in Rheinland-Pfalz. Es gibt nur noch wenige Gegenden, in denen das Auge keinen dieser Störenfriede in der Natur wahrnimmt. Mittlerweile aber dämmert es vielen Menschen: Mit dem vielbeschworenen Segen der Windkraft ist es nicht so weit her ist, wie anfangs geglaubt. Es wird zwar allgemein angenommen, dass die Windkraft das kleinere Übel im Vergleich zu Atom- und Kohlekraftwerken ist. Allerdings wird auch ganz klar ersichtlich, dass Windkraftwerke mit erheblichen Belastungen für Mensch und Natur behaftet sind.

Besonders in Rheinland-Pfalz wird dies jedoch aus finanziellen und politischen Motiven nach wie vor heruntergespielt bzw. unter den Teppich gekehrt. Täglich und an vielen Stellen wachsen neue Windräder als bedrohliche Unruhestifter aus der Landschaft und lassen die Kassen bei den wenigen Nutzniessern – Planern, Herstellern, Investoren – klingeln. Nun wird es selbst Fachleuten wie Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur und früherer Wirtschaftsstaatssekretär, zu viel und er stellt die rheinland-pfälzische Energiepolitik massiv in Frage: „Wenn es 16 Bundesländer so machen, kann die Energiewende nicht funktionieren.“ „Planungen und Visionen würden weit auseinander gehen und der Ausbau der Windenergie dürfe nicht zum unkontrollierten Wettbewerb der Bundesländer werden“ legte Homann im Rahmen der „Bitburger Gespräche“ (rechtspolitische Tagung zur Energiewende) in Trier nach.

Aber warum ist es so weit gekommen? Warum bemühen sich Bürgermeister und Gemeinderäte so beflissen und willig um Windkraftwerke in der eigenen Gemarkung? Warum werden so eilig und ohne Not Vorverträge mit den Betreibern abgeschlossen? Die Antwort ist einfach: Folget dem Geld! Insbesondere verschuldete Gemeinden lassen sich leicht vom erhofften Geldsegen blenden, ohne die vielgestaltigen Folgen im Betrieb der Windmühlen abzuschätzen und ohne sich im Geringsten zu bemühen, zum Beispiel durch integrierte Tourismuskonzepte Einnahmequellen zu erschließen, mit denen die Landschaft nicht auf Jahrzehnte hin verschandelt wird.

 Es ist ja mitnichten so, daß die rheinland-pfälzische Landesregierung völlig konzeptionslos handelt und dem unkontrollierten Wildwuchs im Lande einfach zuschaut. Ein Alibi muß her, denn die grüne Wirtschaftsministerin Lemke hat das Motto ausgegeben: „Windenergie und Kulturlandschaft – das musszusammen passen“. Getreu diesem Motto wurde von ihr ein „Kulturlandschafts-Gutachten“, in Auftrag gegeben. Ein Schelm wer Böses dabei denkt und den Ausgang des Gutachtens vorhergesehen hat. Zumindest aber nach der Präsentation des Gutachtens am 17. Juli 2013 konnte der NABU die Mangelhaftigkeit desselben recht schnell feststellen:

Die Darstellung des 80 % Referenzertrages, auf den sich nun alle beziehen, wenn sie davon sprechen, dass 4 % der Landesfläche für Windenergie geeignet sind, ist indes mehr als irreführend“ erläuterte unter anderem Siegfried Schuch, Landesvorsitzender des NABU Rheinland-Pfalz. Diese Karte legt einen einzigen Anlagentyp eines einzigen Herstellers zugrunde. „Wenn man solche Karten für andere Anlagentypen errechnet, erhält man ganz andere Darstellungen“ so Schuch. Nehme man zum Beispiel einen Anlagentyp, der für mittel- und schwachwindige Standorte besser geeignet sei, ermittle man weit mehr als 4 % Eignungsfläche. „Diese Karte ist politisch motiviert und verschleiert bewusst die Tatsachen“ sagt Schuch. Sie soll suggerieren, dass auf 96 % der Fläche von Rheinland-Pfalz keine Windräder gebaut und damit eine Lenkung des Windenergieausbaus erfolgen würde. Durch die Entwicklung neuer Anlagen werden aber auch schwachwindige Standorte für Windräder ermöglicht, was den Flächenanteil auf weit über 4 % erhöht.
Quelle: http://rlp.nabu.de/themen/energie/windenergie/

Darüber hinaus spricht der NABU auch eine unmißverständliche Warnung angesichts der jetzigen Vorgehensweisen aus:

Die bereits jetzt vorliegenden kommunalen Planungen machten deutlich, dass der Windkraftboom unsere Landschaft überrollen wird. Bei diesen Verfahren werden die Naturschutzverbände oft nicht mal beteiligt, weil von Windkraftbetreibern bezahlte Gutachter zu dem Ergebnis kommen, dass eine erhebliche negative Beeinträchtigung der Umwelt nicht vorliegt. Deshalb fordert der NABU von der Landesregierung eine generelle Beteiligung bei jeder Windenergieplanung.
Quelle:
http://rlp.nabu.de/themen/energie/windenergie/

Dem bleibt hinzuzufügen, das nicht nur die Landschaft und somit Flora und Fauna, sondern auch der Mensch und seine Gesundheit von der profitgetriebenen Windindustrie überrollt und geschädigt wird. Jedoch streiten sich die Geister in der Beurteilung der Windenergieanlagen bezüglich Auswirkungen auf die Gesundheit. Es gibt hierzu eine Menge Studien, Auswertungen und Niederschriften, die meisten wahrscheinlich von Befürwortern und Nutznießern der Windkraft. Für INUKO klingen die Ausarbeitungen, Argumente und Darlegungen der Bundesinitiave für vernünftige Energiepolitik realistisch, plausibel und sorgfältig erarbeitet. Auf der Website der Initiative (www.vernunftkraft.de) heißt es unter anderem:

Die bei einschlägigen Informationsveranstaltungen zu hörende oder in entsprechenden Broschüren zu lesende Behauptung, „dass der Mensch durch geltende Gesetze in Deutschland ausreichend vor gesundheitlichen Folgen durch die Windkraft geschützt ist“, kann nur als Mythos bezeichnet werden.

Und:

Der Eindruck einer gewissen Parallelität zur radioaktiven Strahlung als zunächst negierte, später bagatellisierte Begleiterscheinung anderer Energieerzeugungsformen liegt nahe. Die Auswirkungen der Windkraftindustrie auf den Menschen sind bislang unzureichend medizinisch erforscht. Eine bislang oftmals bagatellisierte Gefahr geht vom sogenanntem Infraschall aus. Einschlägige gesetzliche Vorschriften variieren beträchtlich zwischen den einzelnen Bundesländern; der Schutz der menschlichen Gesundheit wird somit unterschiedlich ernst genommen. Bestehende Schallschutz- und Abstandsregeln sind nicht auf der Höhe der Zeit. Die optische Bedrängung wird in gegenwärtigen Planungen nicht adäquat berücksichtigt.

Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Windenergienutzung

Sieht man von Unfallgefahren z.B. durch Rotorblattbruch, Blitzschlag, Brand, Vereisung und mechanische Zerstörung durch Sturm ab, sind Emissionen Hauptursache für die gesundheitliche Beeinträchtigung der Bevölkerung durch Windkraftanlagen. Emissionen sind:

  • Schlagschatten

  • Blitzlicht

  • Optische Bedrängung

  • Schall / Lärm

Wir möchten uns an dieser Stelle nur einer der seltener betrachteten gesundheitsschädigenden Emissionen zuwenden, der sogenannten „Optischen Bedrängung“, die von der Bundesinitiave für vernünftige Energiepolitik folgendermassen dargestellt wird:

 Optische Emissionen
Periodisch auftretende Schlagschattenbildung, nächtlich blinkende Lichterketten und die durch die Größe und Zahl der Anlagen bedrängende optische Wirkung führen zu einer Ablenkung der Aufmerksamkeit, zu Leistungsbeeinträchtigung und Konzentrationsstörungen der Anwohner und insgesamt zu einer affektiven Bewertung der Situation. Diese Unausweichlichkeit ist geeignet, die Wirkung weiterer vorhandener Stressoren (Lärm, s.u.) zu verstärken und führt durch die Tatsache Dauerbelastung zu einer tendenziell depressiven Verarbeitungssituation. Die Schädigungsmöglichkeit durch Akkumulation minimaler Effekte und die Unausweichlichkeit der Situation ist Unbeteiligten schwer vermittelbar, ist aber Grund für sekundäre psychsomatische Gesundheitsschäden.

Diese Argumente erscheinen uns zum Einen sehr einleuchtend und spiegeln zum Anderen das eigene Erleben im Umfeld von Windenergieanlagen wieder. Davon abgesehen ergibt sich für uns noch eine weitere Fragestellung: Inwiefern wirkt sich die bloße Optik und der als unabwendbar erlebte Vormarsch der Windkraftanlagen auch auf einer archaischen Ebene als Bedrohung aus? Wie geht unser Unterbewußtsein damit um? Wird nicht alles, was solche Ausmaße hat und sich „im Himmel, von oben“ bewegt, aus der menschlichen Evolution heraus automatisch als Bedrohung eingestuft? Wieviel Stress verursacht uns alleine schon die optische Bedrängung durch Windkraftanlagen? Auf dieser Ebene besteht noch erheblicher Klärungsbedarf!

Tourismus und Windkraft

Sicher sind die Belastungen für ständig in Windkraftregionen lebende Menschen bedeutend höher als für Touristen, die den Emissionen dort nur kurzzeitig ausgesetzt sind. Allerdings sind bei den bisher durchgeführten Touristenbefragungen in Windkraftregionen bzw. geplanten Windkraftregionen teilweise eklatante Differenzen aufgetaucht. Beispielsweise hat eine diesbezügliche Befragung in der Eifel als staatlich geförderte Untersuchung folgendes Ergebnis in der Kurzzusammenfassung ergeben:

Wie empfinden Sie Windkraftanlagen in der Eifel?
59 % „nicht störend“
28 % „störend aber akzeptabel“
8 % „störend“
4 % „sehr störend“

Finden Sie Windkraftanlagen in der Eifel so störend, dass Sie bei zusätzlichen Anlagen auf einen Besuch der Eifel verzichten würden?

91 % „nein, trifft nicht zu“
6 % „ja trifft zu“

(Quelle:http://www.tourismusnetzwerk.info/2012/11/08/hohe-akzeptanz-der-windkraft-in-der-eifel/)

Seltsam, daß eine nicht staatlich bezahlte Studie im Schwarzwald zu völlig anderen Ergebnissen kam. Unseres Erachtens liegt dere Ergebnis näher an der Realität:

 Laut einer Untersuchung der Gemeinden des Dreisamtales kommen 90 % der Gäste wegen der Schönheit der Landschaft. 59 % Prozent der Gäste kommen zum wiederholten Male. Ein Drittel der befragten gab an “mehrere Tage zu verbleiben”. (Quelle: “Dreisamtäler” vom 20.11.01).

Eine im Bereich St. Märgen, Dreisamtal, Hinterzarten, Titisee, Feldberg und weiteren Orten unter 580 Gästen von Vermietern, Hotels und Privatpersonen erhobene Umfrage erbrachte eine Ablehnung von über 90 % der Unterzeichner im Bezug auf die Errichtung von WKA im Hochschwarzwald. Die Gäste wurden befragt, ob sie die Errichtung von Windkraftanlagen befürworten oder ablehnen. Über 70 % der Gäste erklärten, sie kämen nicht mehr in den Hochschwarzwald, wenn Windkraftanlagen aufgestellt würden. Dann verlöre der Hochschwarzwald seinen Charakter. Sie würden sich dann ein anderes Urlaubsziel suchen.
(Quelle: http://www.windkraftgegner-schwarzwald.de/gefaehrdet-den-tourismus-.html)


Ist es nicht völlig plausibel, dass Urlauber wegen der Schönheit der Landschaft kommen und nicht wegen der Schönheit von Windkraftwerken, auch wenn die Betreiber noch so sehr die angebliche Attraktivität von „Windlehrpfaden“ anpreisen? Es ist davon auszugehen, dass die Äußerungen von ständig in Windkraftregionen lebenden Menschen die stärkste Aussagekraft haben. Denn ein kurzzeitiger Aufenthalt in solchen Regionen wird von Touristen vermutlich anders erlebt als von den Einheimischen. Hier könnte auch die Urlaubsstimmung darüber hinwegtäuschen, wo und unter welchen Bedingungen man sich aufhält. Der Tourist ist in der Regel auf positives Erleben programmiert und hat eine andere Wahrnehmung. Die Gefahr aber besteht, dass Windkraftregionen im Laufe der Zeit durch die verursachten Emissionen langsam aber sicher ihre Attraktivität als Erholungsregion verlieren und die Touristenströme sich verlagern. Dies ist ja an anderen Orten zu beobachten, wo ehemals boomende Urlaubsregionen sich verschätzt und die Touristen damit vertrieben haben. Nicht selten infolge von Bau- und Umweltsünden! Wenn die Öffentlichkeit diesbezüglich sensibilisiert ist, wenn sich also die verminderte Attraktivität einer Urlaubs- und oder Erholungsregion herumgesprochen hat, will plötzlich keiner mehr hinfahren. Vor allem dann, wenn immer mehr Windräder wie Pilze aus dem Boden schießen. Bei welcher Anzahl liegt die Akzeptanz- bzw. Toleranzschwelle für Einheimische und/oder Touristen…?

Und was geschieht, wenn Windkraftanlagen-Betreiber in die Insolvenz gehen? Wie im Falle der umstrittenen Firma Prokon und wie neuerdings auch beim niedersächsischen Windkraft-Projektierer Windwärts. Wer zahlt dann die Zeche der profitmaximierten Windkraftindustrie? Und wer ist beispielsweise für Windkraftruinen zuständig, wenn die Betreiber entweder pleite sind oder wegen nachlassenden Subventionen nachlässig mit ihren Anlagen umgehen. Oder…, oder…, oder…?!
Offensichtlich wurde die Nutzung der Windkraft, genau wie auch die Nutzung der Atomkraft, nicht zu Ende gedacht und ist – anderen Erwartungen zum Trotz – mit vielen Problemen für Menschen sowie für Flora und Fauna behaftet. Den finanziellen sowie politischen Nutznießern ist dies gleichgültig. Sie spielen ihr Ping-Pong auf dem Rücken der Bevölkerung. Im Prinzip ist alles wie gehabt. Oder etwa nicht? Kann sich der immer stärker werdende Widerstand am Ende doch noch durchsetzen? Es ist zu wünschen, auch im Interesse unserer Nachfahren. So fordert zum Beispiel die Bürgerinitiative vernunftkraft.de:

 Abhängig vom Geländeprofil, das die Ausbreitung von Infraschall beeinflusst, ist ein Mindestabstand von Windkraftanlagen zu jeglicher Wohnbebauung sicherzustellen, bis medizinisch begründete Immissionsgrenzwerte zum Schutz der Unversehrtheit aller betroffenen Anwohner gefunden und gesetzlich festgelegt sind. Als allererste Annäherung an das Vorsichtsprinzip ist die zehnfache Anlagenhöhe bundeseinheitlich als Minimalabstand zu jeglichen menschlichen Wohnstätten einzuhalten.

Weiterhin:

Die Entwertung von Wohneigentum und Altersvorsorge muss entschädigt werden. Der Privatisierung von Gewinnen bei Sozialisierung der Kosten ist Einhalt zu gebieten. Ausgleichszahlungen für Immobilienwertverluste sind gesetzlich festzulegen.

Und:

Die Genehmigungserteiligung zum Bau von Windkraftanlagen ist an eine gesetzlich vorgeschriebene, standardisierte Windmessung in Nabenhöhe über 1 Jahr zu knüpfen. Die Ausbauziele von Bund, Ländern und Kommunen sind auf stringente und transparente Berechnungen unter Berücksichtigung physikalischer Gesetze und statistischer Gegebenheiten zu stützen.

 Forderungen, die wir von INUKO in vollem Umfange unterstützen.

Doch selbst wenn sich Vernunft und Vorsorge auch beim Thema Windkraft doch noch durchsetzen sollten. Es bedingt die Förderung der besten aller denkbaren Energien – der Energie, die erst gar nicht verbraucht wird.