Open-Air-Bibliotheken der Natur

Medizin aus der Natur liegt unverändert voll im Trend. Pflanzliche Arzneimittel werden inzwischen von mehr als 70 Prozent der Bevölkerung verwendet. Und das Wissen um ihre Qualität und Wirksamkeit verbessert sich von Jahr zu Jahr. Diesem großen Interesse an Heilpflanzen trägt unter anderem das deutsche Netzwerk der Apothekergärten Rechnung – ein Projekt unter der Schirmherrschaft der Veronica Carstens Stiftung und der Deutschen Gesundheitshilfe. In diesen mit viel Engagement und wissenschaftlichem Fachwissen gestalteten Gärten können Besucher wie in einer Open-Air-Bibliothek von und über Naturarzneien lernen. Zur offiziellen Apothekergarten-Wappenpflanze 2014 kürte eine Fachjury jetzt die Arzneipflanze Trauma-Beinwell, deren Extrakt erfolgreich zur Behandlung von Prellungen, Zerrungen und Rückenschmerzen eingesetzt wird.

Moderne Apothekergärten gibt es mittlerweile an vielen deutschen Standorten. Zusammen mit Stiftungen und den Berufsverbänden der Apotheker wurden in den letzten Jahren diese Gärten selbsterklärend gestaltet. Hier wird das “Erlebnis Natur” interessant und anregend präsentiert. Informative Tafeln veranschaulichen laienverständlich in Wort und Bild die jeweiligen Arzneipflanzen, ihre Anwendungsbereiche, die pharmazeutisch wirksamen Bestandteile, ihr Potential, aber auch Grenzen in der Therapie. Auf diese Weise werden Apothekergärten zu einer lebendigen Reise durch die Welt der Arzneipflanzen und durch die Welt der Naturarzneien. In den Gärten wird kein Eintritt erhoben. Und wer besonderes Glück hat, kann am Wochenende sogar an kostenlosen Führungen teilnehmen. Meist werden diese Führungen von den lokalen Apothekern geleitet – denn nur Apotheker haben dank ihres langjährigen Hochschul-Studiums der Pharmazie das nötige umfassende Wissen zum Thema Arzneipflanzen. Große Apothekergärten gibt es unter anderem in Gütersloh, Hannover, Ulm, Bad Salzelmen bei Magdeburg und in Karlsruhe-Ettlingen.

Neue Wappenpflanze Trauma-Beinwell
Kürzlich wählte eine Fachjury auch für 2014 eine besondere, aktuell bedeutsame Heilpflanze zur Wappenpflanze und Sympathieträger für das Projekt ‚Apothekergarten‘. Die Wahl fiel auf Trauma-Beinwell mit dem botanischen Namen “Symphytum x uplandicum Nyman”. Beinwell wird schon seit vielen Jahrhunderten unter anderem zur Linderung von Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen eingesetzt. Die Erfahrungsmedizin gab ihr daher auch den Ehrennamen “Knochenheil”. In der modernen Pflanzenheilkunde wird Beinwell heute in Form einer wirkstoffreichen, speziell selektierten Hochleistungssorte – dem heimischen Trauma-Beinwell – eingesetzt. Verwendet werden ausschließlich die besonders wirkstoffreichen, oberirdischen Teile, also Blätter und Blüten. Eine Vielzahl aktueller Studien bestätigt seit Jahren die hohe Wirksamkeit von Trauma-Beinwell-Schmerzsalbe, die auf Grund ihrer ausgezeichneten Verträglichkeit auch bei Kindern zum Einsatz kommen kann. Mit ihrer Hilfe verringern sich Schmerzen spürbar schneller. So konnte eine aktuelle Studie zeigen, dass die erste Wirkung bei muskulären Problemen bereits nach 15 Minuten einsetzt. Die Beweglichkeit von Muskeln und Gelenken läßt sich zudem leichter wieder herstellen. Täglich mehrmals ausreichend dick aufgetragen und gut einmassiert, sprechen selbst hartnäckige und teilweise sogar chronifizierte Schulter-, Rücken-, Gelenk- und Nackenschmerzen gut und schnell auf die schmerzlindernde, entzündungshemmende, abschwellende sowie wundheilungsfördernde pflanzliche Schmerzsalbe an.

Überzeugende Studienlage bei Trauma-Beinwell
Nicht jede Arzneipflanze hat wirklich das Zeug zur Wappenpflanze. Die Wahl der Fachjury erfolgt nach strengen Kriterien. Bei der jüngsten Wappenpflanze fiel die Entscheidung jedoch leicht: Sie verfügt beispielsweise über eine hervorragende wissenschaftliche Studienlage, die ihre zuverlässige Wirksamkeit bei stumpfen Traumata (also Prellungen, Rückenschmerzen oder Verstauchungen, die zum Beispiel durch Stürze, Anstoßen oder Umknicken ausgelöst werden) untermauert. Die gute Hautverträglichkeit als besondere Eigenschaft von Schmerzsalben mit Trauma-Beinwell ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt. “Darüber hinaus gibt es weitere Punkte, wenn die betreffende Arzneipflanze in Deutschland kultiviert wird und somit eine heimische Heilpflanze ist”, erläutert Prof. Dr. Alexander Schenk, Mitinitiator des Apothekergarten-Netzwerks und schon seit vielen Jahren Jury-Mitglied. “Und wenn die Arzneipflanze auch noch ein echter Hingucker ist, dann ist das Anforderungsprofil bestens erfüllt”, so Schenk.

Die ganze große Welt der Arzneipflanzen auf kleinem Raum
Natürlich warten sehr viele weitere interessante Heilpflanzen darauf, von neugierigen und wissensdurstigen Menschen entdeckt zu werden. So zum Beispiel das Johanniskraut – ein bewährtes Mittel gegen Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen. Oder die Königsartischocke, deren Extrakte die Fettverdauung fördern, dadurch Magen-Darm-Probleme erheblich reduzieren und darüber hinaus die Leber schützen. Oder der Eukalyptus, dessen zentraler Wirkstoff Cineol erfolgreich bei Bronchitis und Nasennebenhöhlenentzündungen eingesetzt wird. Oder – obwohl an jeder Ecke zu finden – die Brennnessel, deren wassertreibende Wirkung ebenfalls in den großen Schatz arzneilich wirksamer Pflanzen gehört. Wer jetzt neugierig wurde und sich die Welt der Arzneipflanzen etwas genauer anschauen will, der kann sich auf der mit großem Engagement und viel Fachwissen gestalteten Internetseite www.heilpflanzen-online.com informieren. Dort stehen auch Videos zur Geschichte und Gegenwart von Apothekergärten bereit und auch ein virtueller Rundgang durch einen typischen Apothekergarten ist möglich. Darüber hinaus werden die wichtigsten Arzneipflanzen fachmännisch in Form von Kurzvideos beschrieben. Und natürlich können sich Interessierte auch informieren, wo sich in der Nähe einer der Apothekergärten auf naturbegeisterte Besucher freut.