Der Ärger mit dem Milchzucker

Eigentlich sollten wir es genießen – unser Essen. Für immer mehr Bundesbürger folgen danach aber böse Überraschungen. Der Bauch drückt, bläht sich auf. Manchmal folgt Übelkeit, vielfach Durchfall. Auf längere Sicht werden die Menschen kraftlos, müde und sogar depressiv. Was ist das nur? Reagieren wir allergisch auf unsere Nahrung? Allergien sind es selten, beruhigen Experten und verweisen verstärkt auf den Begriff der „Nahrungsmittel-Unverträglichkeit“. Dabei kann der Körper bestimmte Nahrungsbestandteile – z. B. häufig Milchzucker – nicht richtig verarbeiten und aufnehmen. Die Folgen können jedoch mit einer neuen, hoch dosierten Rezeptur ausgebremst werden.

Allergien unterscheiden sich von Unverträglichkeiten sehr grundlegend. Bei den meisten Allergien reagiert der Organismus durch eine Abwehrreaktion (der sogenannten „Sensibilisierung“) des Immunsystems auf eigentlich harmlose Substanzen. Es werden Antikörper gebildet, die zukünftig bei jedem Kontakt selbst mit geringen Mengen des auslösenden Allergens eine zumeist heftige Reaktion auslösen. Eine Vielzahl von Allergien kann der Arzt oft schon über einen Bluttest nachweisen. Reagieren Menschen jedoch nach der Nahrungsaufnahme mit Problemen im Magen-Darm-Bereich, handelt es sich nur sehr selten um echte Allergien. Meist kommen hier Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten ins Spiel, sogenannte Intoleranzen: Bei ihnen bleibt das Immunsystem außen vor. Ihre Ursache liegt in einem angeborenen oder erworbenen Mangel an bestimmten Verdauungsenzymen. Unverträglichkeiten sind grundsätzlich mengenabhängig und zeitverzögert. Bis es zu einer Reaktion kommt, verträgt der Körper eine individuell unterschiedliche Menge des „Reizstoffes“. Der größte Prozentsatz aller Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten entfällt auf die Lactose-Intoleranz, also auf die Unfähigkeit des Organismus’, Milchzucker in seine für den Körper verwendbaren Bestandteile aufspalten zu können.

Milchzucker nicht ohne Weiteres verträglich
Milchzucker, die sogenannte Lactose, ist ein Hauptbestandteil aller naturbelassenen Milchprodukte. Unser Körper kann ihn nicht ohne Weiteres verwerten. Der Milchzucker muss erst in seine Bestandteile Galactose und Glucose – den bekannten Traubenzucker – aufgespalten werden. Nur diese Zuckerarten können durch die Dünndarmschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen und dort zur Energiegewinnung weiterverarbeitet werden. Für den Prozess der Aufspaltung brauchen wir das Enzym Lactase. Hier beginnen die Probleme, denn die einzige Bevölkerungsgruppe, deren Körper Lactase mit absoluter Sicherheit in ausreichender Menge bilden kann, sind in der Regel Säuglinge. Säuglinge sind darauf angewiesen, alle notwendigen Nährstoffe aus der Muttermilch zu entnehmen. Mit zunehmendem Alter jedoch verlieren die meisten Menschen die Fähigkeit, Lactase zu bilden.

Regionale Unterschiede
Kaum zu glauben, aber wissenschaftlich bestätigt: Wer wie gut Milchprodukte verdauen kann, hängt von seiner Herkunft ab. Während Schweden, Briten und weiße US-Amerikaner weniger häufig Probleme mit der Lactose-Verdauung haben, funktioniert sie bei Chinesen, Asiaten, Eskimos oder Afro-Amerikanern kaum. Für diese Menschen ist das nur selten ein Problem, denn ihre Nahrung ist weitgehend lactosefrei. Unter der europäischen Bevölkerung schwankt der Anteil der Milchzucker-Unverträglichkeiten stark. Ist davon in Italien und Südfrankreich noch jeder Zweite betroffen, liegt der Wert in Deutschland bei etwa 20 bis 25 Prozent. Wer davon betroffen ist, für den gestaltet sich eine nährstoffreiche und vor allem genussvolle Ernährung sehr schwierig. Denn jedes auf Milch basierende Nahrungsmittel kann Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall auslösen. Mit der Zeit neigen Unverträglichkeiten zudem dazu, sich zu verstärken, so dass die Symptome bei immer geringeren Mengen auftreten. Einer der Gründe: Mit zunehmendem Alter reduziert sich die Produktion des Enzyms Lactase spürbar. So können im Alter von 60 Jahren ca. 70 Prozent der Europäer keinen Milchzucker mehr verdauen. Der Arzt kann Lebensmittel-Unverträglichkeiten übrigens durch eine spezielle Untersuchung feststellen – u.a. durch den sogenannten H2-Atemtest.

Wenn Milchzucker im Darm gärt
Die Folgen eines Lactase-Mangels sind erheblich. Fehlt das Enzym oder ist es in zu geringer Menge vorhanden, gelangt Milchzucker ungespalten in den Dickdarm. Dort wird er nicht verdaut, sondern vergoren. Diese Gärprozesse setzen unter anderem Gase wie z. B. Kohlendioxid frei. Die Folgen sind unangenehme Blähungen sowie in vielen Fällen spontane, stark flüssige und schmerzhafte Durchfälle. Treten diese Durchfälle gehäuft auf, kann es zur Reizung der Darmschleimhaut kommen. Die intakte Darmtätigkeit ist sehr wichtig für die Aufnahme von Nährstoffen in das Blut. Daher leidet in der Folge auch oft die Versorgung des Körpers mit Mikronährstoffen wie Vitaminen. Das ist auch der Grund für vielfach bei Unverträglichkeiten auftretende Symptome wie chronische Müdigkeit, innere Unruhe, Schwindelgefühl, Schweißausbrüche, Nervosität, Akne oder mangelnde Konzentrationsfähigkeit. Auf lactosefreie Milchprodukte auszuweichen, reduziert die Gefahr einer Unverträglichkeits-Reaktion nur begrenzt. Denn viele Fertiggerichte, Gewürzmischungen, Margarine, Wurst, Süßstoffe oder Medikamente enthalten ebenfalls Lactose und bilden genauso wie Brot, Teigwaren, Schokolade oder Fleisch einen festen Bestandteil des täglichen Lebens. Ganz zu schweigen vom Essen im Restaurant oder im Urlaub. Ein sicherer Ausweg aus der Lactose-Problematik eröffnet sich durch die Möglichkeit, das fehlende Enzym Lactase von außen zuzuführen.

Hoch dosierte Lactase aus dem Klickspender
Schon seit geraumer Zeit bewährt sich die Zufuhr von Lactase mittels Mini-Tabletten. Bisher war es – gerade bei schweren Formen der Lactose-Intoleranz – allerdings notwendig, bis zu fünf niedrig dosierte Lactase-Tabletten einzunehmen, um die Symptome in den Griff zu bekommen. Viele Betroffene fanden das unbefriedigend. Das berücksichtigt nun ein neues Produkt, welches seit kurzem in Drogerien erhältlich ist und von dem oft schon eine einzige Mini-Tablette ausreicht. Zusammen mit der lactose-haltigen Mahlzeit oder kurz davor eingenommen, beginnen die in der Tablette enthaltenen natürlichen Lactase-Enzyme schon Minuten später ihre Arbeit. Der Beschwerden auslösende Gärprozess im Dickdarm wird verhindert und Symptomen wie Blähungen, Magenkrämpfen und Durchfall vorgebeugt. Die gefürchteten Magen-Darm-Probleme tauchen in der Regel so gar nicht erst auf, gutes Essen macht wieder Spaß und sogar Milch und Milchprodukte werden wieder zum Genuß. Da wieder mehr Lebensmittel mit wertvollen Vital- und Nährstoffen konsumiert werden können, verbessert sich auch die Versorgungssituation des Körpers. Auch Begleiterscheinungen wie ein gereizter Darm, Müdigkeit und Erschöpfung reduzieren sich durch die Lactase-Zufuhr aus dem praktischen Klickspender vielfach schon nach wenigen Tagen.