Damit aus Erschöpfung kein Burnout wird

Wenn die „Menschmaschine“ ausbrennt

Aufbaukur gegen Burnout

Selten fühlten sich Menschen so belastet, so an ihre Grenzen getrieben wie heute. Große Teile der deutschen Bevölkerung sind nicht nur mit den Nerven am Ende, sie fühlen sich auch immer häufiger körperlich matt, ausgelaugt, erschöpft. Wir sprachen mit Dr. med. Uwe Höller, Direktor des „Deutschen Institut für Präventive Medizin“ in Bergisch Gladbach, über Vitaminmangel als Stressfolge und über eine kraftspendende Aufbaukur, damit aus Erschöpfung kein Burnout wird.

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Redaktion: Herr Dr. Höller, warum geraten so viele Menschen an ihre Belastungsgrenzen?

Dr. Höller: Die Belastungen für den Einzelnen steigen, auch weil die Welt nur aus Extremen zu bestehen scheint, zwischen denen man sich einordnen muß. Held oder Weichei, Sieger oder Memme. Die Zwischentöne gehen immer mehr verloren. Und wer will schon Verlierer sein. Also werden die Zähne zusammengebissen, denn die „Maschine Mensch“ muß trotz dauerhafter Stressbelastung laufen, muß den Anforderungen in Beruf und Alltag standhalten.

Redaktion: Nun hat alles bekanntlich seinen Preis. Den zahlt irgendwann der Organismus.

Dr. Höller: Richtig. Unter anderem droht eine zunehmende Verarmung an lebenswichtigen B-Vitaminen. Vor allem die Vitamin-B12-Speicher des Körpers werden durch Stress und Dauerbelastung bis auf den Grund „leergesaugt“. Und dann kommt es zu den Eingangs erwähnten Symptomen an Körper und Psyche. Man fühlt sich zunehmend schlapp und kraftlos, schon kleinere Anstrengungen erscheinen als Belastung. Konzentrations- und Gedächtnisprobleme treten auf, plötzliche Wortfindungsstörungen sowie eine dauerhafte Tagesmüdigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen.

Redaktion: Langfristig droht dann der berühmt-berüchtigte Burnout?

Dr. Höller: Ja. Bei einem Burnout, auf Deutsch „Ausbrennen“, handelt es sich um einen Zustand totaler Erschöpfung, der meist eine teilweise oder völlige Arbeitsunfähigkeit mit sich bringt. Das kann bis zur totalen Verweigerung aller sozialen Kontakte gehen. Wer Anzeichen für eine solche massive Erschöpfung bei sich erkennt, sollte etwas dagegen tun, damit ein Burnout vermieden werden kann.

Redaktion: Reicht da Eigeninitiative?

Dr. Höller: Manchmal ist einfach auch ein Gang zum Arzt erforderlich. In der ärztlichen Praxis sehr bewährt hat sich eine Injektionstherapie mit B-Vitaminen. Wir haben in unserem Institut gerade eine Studie durchgeführt, die deren Wirksamkeit und den positiven Einfluß auf die Lebensqualität eindrücklich beweisen konnte.

Redaktion: Wie war diese Studie aufgebaut?

Dr. Höller: Wir befragten vor und nach der bei den jeweiligen Hausärzten durchgeführten Therapie 662 Studienteilnehmer anhand eines komplexen Fragebogens zu ihrer gesundheitlichen Situation. So gewannen wir einen Überblick über zum Beispiel ihr allgemeines Gesundheitsgefühl, ihr psychisches Wohlbefinden oder ihre subjektive Vitalität. Der Jüngste der Teilnehmer war 16 Jahre alt, der Älteste 97. Wichtig: Alle Patienten befanden sich vor Therapiebeginn in einem unterdurchschnittlichen Gesundheitszustand. Arbeit, Schule oder andere tägliche Aktivitäten waren durch körperliche oder psychische Probleme zum Teil erheblich beeinträchtigt.

Redaktion: Zur Behandlung wurde von den begleitenden Ärzten mittels Injektion eine spezielle, genau abgestimmte Kombination von B-Vitaminen mittels einer Fertigspritze verabreicht. Wie viele solche Injektionen waren nötig?

Dr. Höller: Bewährt haben sich jeweils zwei Injektionen pro Woche über einen Zeitraum von vier Wochen. Danach wurden die Teilnehmer nochmals befragt. Und die nachgewiesenen positiven Effekte waren eindeutig. So besserte sich das Allgemeinbefinden im Durchschnitt um 88 Prozent, die Leistungsfähigkeit um 84 Prozent und der subjektiv empfundene Gesundheitszustand um 86 Prozent. Bei Personen, die besonders unter Abgeschlagenheit, Vitalitätsverlust, Antriebslosigkeit oder Schwächeperioden litten, hat die Vitamin-Injektions-therapie somit erheblich zur Besserung der subjektiven Befindlichkeit beigetragen.

Redaktion: Worin sehen Sie das Geheimnis des Erfolges?

Dr. Höller: In der speziellen Zusammensetzung des Prüfpräparates und in der Verabreichung direkt in den Blutkreislauf. Die einzelnen Bausteine Pyridoxin (B6), Cobalamin (B12) und Folsäure (B9) müssen von der Menge und der Zusammensetzung her bei einer solchen Therapie sehr exakt aufeinander abgestimmt sein, um ihren aufbauenden Effekt optimal entfalten zu können.

Redaktion: Wäre es nicht wesentlich einfacher, die Vitamine als Tablette einzunehmen?

Dr. Höller: Nein, eine Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt – wir sprechen von enteraler Aufnahme – funktioniert oft nur unzureichend. Besonders das empfindliche Cobalamin (Vitamin B12) wird sehr häufig nur schlecht in den Blutkreislauf übernommen. Durch eine Injektion in die Vene können wesentlich höhere Blutspiegel erreicht werden, da das Cobalamin ohne Verluste über den Blutkreislauf direkt in die Zellen gelangt. Und dann gibt es ja noch das Argument Homocystein.

Redaktion: Inwiefern?

Dr. Höller: Männer über 40 und Frauen in den Wechseljahren haben häufig einen erhöhten Homocysteinspiegel. Homocystein ist ein extrem zellschädliches Stoffwechselprodukt und steht im Ruf, Depressionen auszulösen, die Blutgefäße zu schädigen und sogar Gehirnzellen zu schädigen. B-Vitamine, vor allem B12 und B9 können diese Werte effektiv senken. Ich halte das für einen ganz wichtigen Aspekt. Eine solche direkt vom Arzt verabreichte Aufbaukur ist somit eine sinnvolle und wirksame Möglichkeit, dem Körper und der Psyche neue Kraft zu schenken, damit aus einem Erschöpfungszustand kein echter Burnout wird.