Parodontose vorbeugen

Inzwischen ist unumstritten: Unsere Gesundheit hängt in großem Maße ab von der Gesundheit unseres Verdauungstrakts. Der aber beginnt nicht mit dem Magen, sondern schon im Mund. Erkrankungen von Zähnen und Zahnfleisch führen nicht nur zu frühem Zahnverlust, sondern haben häufig starke Auswirkungen auf unser Gesamtbefinden. Wir sprachen mit Dr. Burkhard Eisend, Apotheker aus Bordesholm über den Einfluss von Parodontose und Karies auf Lunge, Immunsystem und Muskeln und beleuchten eine neue Möglichkeit, Zähne und Zahnfleisch durch die Zufuhr schützender Bakterien zu stabilisieren.

 

INUKO: Herr Dr. Eisend, wann beginnt denn das riskante Alter für unsere Zähne?

dr_eisend Dr. Eisend: Bei Erwachsenen sind Erkrankungen des Zahnfleisches der Hauptgrund für lockere oder ausfallende Zähne. Mehr als 80 Prozent der über 35-Jährigen leidet an irgendeiner Form der Zahnbetterkrankung, ab dem 45. Lebensjahr ist Parodontose, also die berüchtigte Zahnfleischentzündung, häufigste Ursache für den gefürchteten Zahnverlust.

INUKO: Trotz aller Fortschritte im Gesundheitsbewusstsein, Zahnfleischerkrankungen sind an der Tagesordnung. Warum?

Dr. Eisend: Weil die Mundflora, also das Zusammenleben der “guten” Bakterien im Mund, so häufig gestört ist. Sehen Sie, nicht nur im Darm, sondern auch im Mund existieren Millionen Bakterien. Die kleinen Organismen – etwa 700 unterschiedliche Arten – bilden einen effektiven Abwehrschirm gegen krankmachende Erreger. Doch werden zum Beispiel durch eine Antibiotika-Behandlung, durch Stress, Rauchen oder eine zuckerreiche Ernährung diese gesund erhaltenden, “guten” Keime oft geschädigt. Hierdurch wird der Weg frei für unempfindlichere, aber durch krankmachende Erreger wie “Streptococcus mutans”.

INUKO: Was bewirkt “Streptococcus mutans” im Mund?

Dr. Eisend: Diese Bakterienart ist berüchtigt für ihre Fähigkeit, sich an die Zähne anzuheften, Zucker aus Speisen in Säure umzuwandeln und so indirekt den Zahnschmelz anzugreifen. In die entstehenden schadhaften Stellen sickern mit der Zeit weitere Bakterien ein. Das körpereigene Immunsystem versucht nun, die krankmachenden Erreger zu beseitigen. Allerdings entstehen – wie bei jedem körpereigenen Abwehrprozess – in der Folge Entzündungen und mit ihnen Schäden am sogenannten Zahnhalteapparat. Mit der Zeit wackeln die Zähne und gehen irgendwann mit 40 oder 50 Jahren oft schon teilweise verloren.

INUKO: Und das bemerkt man nicht?

Dr. Eisend: Schon. Aber erst sehr spät. Und wenn die Zähne wackeln, ist es meist um sie geschehen. Wer allerdings aufpasst, kann Alarmzeichen sehen. Zum Beispiel rotes, geschwollenes oder sehr empfindliches Zahnfleisch, Mundgeruch, rötliche bis bläuliche Verfärbungen.

INUKO: Was hat es mit dem immer wieder erwähnten Zusammenhang zwischen Zahngesundheit und schwerwiegenden Krankheiten auf sich?

INUKO: Es gibt in der Tat bemerkenswerte Zusammenhänge. Sehen Sie, normalerweise können zwischen Zahn und Zahnfleisch keine Erreger eindringen. Für parodontitisch veränderte Zähne allerdings gilt das nicht. Hier können Bakterien sogar in die Blutbahn gelangen. Diese stillen Dauerinfektionen stehen im Verdacht sogar Herzinfarkt und Arteriosklerose zu begünstigen, genauso wie Atemwegsbeschwerden und Rheuma. Selbst Muskelbeschwerden und eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit können laut Sportwissenschaftlern die Folge sein.

INUKO: Viele Gründe also, etwas für eine gesunde Mundflora zu tun und die Ausbreitung krankmachender Keime möglichst frühzeitig zu unterbinden. Was kann man da tun? Immer häufiger hört man ja von dem “Schutzbakterium” S.salivarius M18, das man mittels Lutschtablette der Mundflora zuführen kann (neu: ProBio-Dent, rezeptfrei in Apotheken). Was halten Sie davon?

INUKO: In der Tat kann dieses Bakterium die schädlichen, Karies- und Parodontose auslösenden Keime in Schach halten oder verdrängen. Dieser “gesunde Keim” ist einer der wichtigsten Gegenspieler der krankmachenden Erreger und kann helfen die Mundhöhle gesund zu halten. Das Ergebnis zeigt sich relativ zügig durch gesünderes Zahnfleisch und sauberere Zähne. In meinen Augen wichtiger aber ist es, damit mögliche Folgeschäden der Parodontose wie Herzinfarkt und Arteriosklerose, vorzubeugen.

INUKO: Gibt es zur Wirksamkeit Untersuchungen?

Dr. Eisend: Ja, die gibt es. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie bestätigt die Wirksamkeit. Dabei wurden über einen Zeitraum von 60 Tagen Personen mit deutlichen Parodontose-Problemen beobachtet. Die Patienten wurden zusätzlich zur normalen Ernährung mit dem Anti-Parodontose Bakterium S.salivarius M18 versorgt. Schon nach etwa 15 Tagen reduzierten sich Zahnfleischentzündung, Zahnfleischbluten sowie die Neigung zur Plaquebildung deutlich. Überaus erfreulich für alle, denen die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch wichtig ist.