D-Mannose bei Harnwegsentzündungen

Clever therapieren ohne Antibiotika

Harnwegsentzündungen sind für viele Frauen dauerhafte Begleiter. Jede dritte Frau leidet einmal im Jahr darunter, viele sogar mehrmals kurz hintereinander. Experten sprechen dann von einer „rezidivierenden” Erkrankung. Wir sprachen mit dem Pharmazeuten Dr. Burkhard Eisend aus Bordesholm über die Erkrankungssymptome, über mögliche Folgen und über ein neues, cleveres Therapie-Konzept mit D-Mannose, welches den Erregern ein Anhaften an der Blasenschleimhaut unmöglich macht und so eine Infektion verhindert.

Dr. Burkhard Eisend

Dr. Burkhard Eisend

INUKO: Herr Dr. Eisend, seit Jahrzehnten werden Blasenentzündungen mit Antibiotika therapiert. Warum wird inzwischen diese Möglichkeit so kritisch gesehen?

Dr. Eisend: Lassen Sie mich eines klarstellen: Bei schweren Infektionen des Urogenitaltrakts, vor allem wenn hohes Fieber auftritt, sind Antibiotika oft die einzige Option und durchaus berechtigt. Aus unserer Sicht sind die vielen Fälle von leichten und auch von wiederkehrenden Infektionen das Problem. Denn wir wissen ja inzwischen, dass sich Erreger sehr schnell an Antibiotika gewöhnen, also eine sogenannte Resistenz auftritt. Man muss also schon schauen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, leichte und mittelschwere Entzündungen in den Griff zu bekommen.

INUKO: Woher weiß ich überhaupt, ob ich eine Blasenentzündung habe? Welches sind die gängigsten Symptome?

Dr. Eisend: Vor allem durch Schmerzen beim Wasserlassen, durch Trübung des Urins und manchmal sogar an Blasenkrämpfen. Die Blase entleert sich dann nicht mehr vollständig und es bleibt immer dieses Gefühl von ‘Muss ich oder muss ich nicht’. Und sie sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn unbehandelt können sogar bleibende Schäden an Nieren und den Harnwegen entstehen.

INUKO: Was verursacht eine Blasenentzündung?

Dr. Eisend: Eine sogenannte Cystitis ist meist die Folge einer bakteriellen Infektion. Erreger sind in etwa neun von zehn Fällen Bakterien der Art Escherichia coli. Diese natürlicherweise im Darm vorkommenden Erreger können bei Frauen durch die wesentlich kürzere Harnröhre leichter in die Blase gelangen als bei Männern, das ist auch die Erklärung für die überwiegend weibliche Patientengruppe. Den Bakterien hilft häufig dann noch kühle Umgebung, falsche Intimhygiene oder kalte Winde am Strand, daher kommt der Begriff ‘Urlaubs-Cystitis’. Aber auch Hormonmangel, Harnsteine durch zu wenig trinken oder Diabetes können Blasenentzündungen begünstigen.

INUKO: Wie schaffen es die Bakterien, sich trotz des nach außen strömenden Urins in der Schleimhaut einzunisten?

Dr. Eisend: Bakterien sind sehr clevere Organismen. Sie haben im Laufe der Evolution gelernt, sich jede noch so kleine Schwachstelle ihrer Wirte zu Nutze zu machen. Escherichia coli Bakterien zum Beispiel besitzen winzig kleine Andockstellen – sogenannte „Fimbrien” – mit denen sie sich an bestimmten Bereichen der Blasenschleimhaut festsetzen können. Forscher haben ja jahrzehntelang versucht, diesen Andockprozess zu unterbrechen. Das war aber gar nicht so leicht.

INUKO: Inzwischen gibt es ja eine neue Therapieform, die genau hier ansetzt. Es geht dabei um einen speziellen Stoff, um ‘D-Mannose’ (ganz neu in „Femannose”, rezeptfrei in Apotheken).

So wirkt D-Mannose

So wirkt D-Mannose

Dr. Eisend: In der Tat schafft es D-Mannose, die Fimbrien angreifender E.coli Bakterien zu blockieren. Die Bakterien können nicht mehr an der Blasenschleimhaut andocken und werden mit dem Urin ausgeschieden. Diese D-Mannose ist ein körpereigenes Zuckermolekül, ein natürlicher Bestandteil der Blasenschleimhaut. Bringt man nun von außen mittels eines Trinkgranulates zusätzliche D-Mannose Moleküle in die Umgebung der Bakterien, spiegelt man ihnen das gewünschte Andockziel vor. Die fühlen sich sozusagen am Ziel, werden aber ausgetrickst. Eine Blasenentzündung bleibt so in der Regel aus. Aber auch unter einer D-Mannose Therapie gilt: Mindestens zwei Liter Wasser am Tag trinken, um das Ausschwemmen der Bakterien zu beschleunigen.

INUKO: Was sagen Studien zu den Erfolgschancen?

Dr. Eisend: Es gibt aktuell eine ausführliche Studie mit 308 an wiederkehrenden Blasenentzündungen leidenden Patientinnen. Unterteilt in drei Gruppen wurde die eine Gruppe überhaupt nicht behandelt, die zweite Gruppe erhielt ein Standard-Antibiotikum und die dritte Gruppe eine D-Mannose Therapie. Nach sechs Monaten waren in der nicht behandelten Gruppe 61% der Frauen von einer erneuten Erkrankung betroffen, in der Antibiotika-Gruppe 20,4% und in der D-Mannose Gruppe gerade einmal erfreuliche 14,6%. Und bei den nackten Zahlen darf man nicht vergessen, dass eine D-Mannose Therapie um ein Vielfaches besser verträglich ist, vor allem unter dem Gesichtspunkt einer vermiedenen Antibiotika-Resistenz. Und darüber hinaus ist eine solche D-Mannose Therapie sehr effektiv, wie die Ergebnisse der Studie hinreichend zeigen.