Neue Wirkstoffe machen COPD-Erkrankten Hoffnung

COPD – die „chronisch obstruktive pulmonar disease“ ist eine chronische, entzündliche Lungenerkrankung, gegen die es bisher kein wirksames Heilmittel gibt. Sie wird meist durch Rauchen oder durch starke Belastung mit feinen Stäuben oder Aerosolen ausgelöst. Es kann sich bei den Auslösern allerdings auch um generelle Atemwegsinfektionen handeln, so dass bestimmte Menschen selbst bei einer einfachen Erkältung sofort massiv mit entzündlichen Prozessen in der Lunge und den Bronchien reagieren. Im Journal of Allergy and Clinical Immunology erschien nun aktuell das Ergebnis einer Studie zur Wirksamkeit zweier spezieller Substanzen, die zukünftig als Therapeutika einsetzbar erscheinen.

Für die Studie arbeiteten Wissenschafter der pneumologischen Klinik am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum, der Universitätsklinik München und der Lungenklinik Köln-Merheim zusammen. Die neuen potenziellen Wirkstoffe könnten – so die Schlussfolgerung der Experten – einen Durchbruch bei der Behandlung der COPD bedeuten.

Neue Wirkstoffkandidaten

Bei der COPD werden durch die eingeatmeten Schadstoffe bestimmte, Entzündungsprozesse regulierende Enzyme – sogenannte Proteinkinasen – überaktiviert. Als Folge dieser Überreaktion produziert der Körper immer mehr Entzündungsstoffe. Ein Kreislauf, der entscheidend zum Fortschreiten der Lungenerkrankung beiträgt. Einen neuen Therapieansatz sehen die Forscher nun in sogenannten „Narrow Spectrum Kinase Inhibitors“, kurz NSKI. Die Wirkung dieser Proteinkinasen hemmenden Stoffe testeten die Forscher an Zellkulturen und verglichen ihre Wirksamkeit mit einem herkömmlichen Kortikosteroid und verschiedenen anderen, noch spezieller wirkenden Inhibitoren. Die NSKI zeigten sich bei den Versuchen als deutlich effektiver bei der Hemmung Entzündungsstoffen, als die Vergleichssubstanzen. “Unsere Studie zeigt, dass NSKI vielversprechende Kandidaten sind, um dringend benötigte anti-entzündliche Therapien bei COPD zu entwickeln”, so Studienleiter Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Jürgen Knobloch, Universitätsklinikum Bergmannsheil, Dortmund.

12% der Menschen weltweit betroffen

Es ist eine erschreckend hohe Zahl: Etwa 12% der Weltbevölkerung soll an COPD leiden und denen bisher wenig Hoffnung auf Heilung gemacht werden kann. Die bisher verwendeten Therapeutika basieren meist auf Steroiden und setzen nur selten an der Bekämpfung der Entzündungen an, die den eigentliche ursächlichen Kern der COPD bilden. Aktuelle Therapien können Symptome meist nur lindern und das Fortschreiten der COPD mehr oder weniger verlangsamen, aber nicht stoppen. Mit den neuen Wirkstoffen könnte es gelingen, direkt am Ursprung der Krankheit anzusetzen, hoffen die Wissenschaftler.